Selbstfürsorge

In den letzten Wochen, die von Covid 19 stark bestimmt waren, haben sich sicherlich viele Menschen gefragt, wie sie mit diesen veränderten Lebensumständen umgehen können. Die einen fühlten sich eingesperrt, die anderen überlastet. Viele litten unter Einsamkeit und wir mussten fast alle unsere “normalen Lebensautobahnen” verlassen.

Hast du dich in dieser Zeit mit “Selbstfürsorge” beschäftigt?
Wann ist dir der Begriff „Selbstfürsorge“ zum ersten Mal begegnet?
In welcher Situation warst du?
Und was hast du daraufhin für dich getan?
Was würdest du als “Selbstfürsorge” auf deine “Liste” schreiben, wenn du eine solche Liste anlegen würdest?

Bitte nimm dir Zeit zum Nachdenken und Nachfühlen bevor du weiterliest.

Mir begegnete dieser Begriff zum ersten Mal, als ich ziemlich atemlos durch mein Leben rannte. Drei kleine Kinder waren zu versorgen. Klienten waren zu beraten. Die 24 Stunden meiner Lebenstage waren randvoll ausgefüllt und dann kam die Diagnose, dass es da vier Knoten in meiner Brust gäbe. Es fühlte sich damals an wie eine Fahrt mit dem ICE bei Tempo 260 und auf einmal wurde die Notbremse gezogen. Mein Leben kam kreischend zum Halten. Und ich sehe viele Parallelen zu der heutigen Situation, wo unser aller Leben durch einen kleinen Virus auch per Notbremse entschleunigt wurde und wird.

Für mich begann mein Weg zur Selbstfürsorge mit einem Gedanken meiner Schwiegermutter: „Lebe in einem für dich gesunden Maß. Du zündest deine Lebenskerze an beiden Enden an, Susann!“

O.k. … da ich bis zu diesem Zeitpunkt mein ganzes Leben immer an beiden Enden brennend gelebt hatte, hatte ich überhaupt keinen Plan, wie ich das anstellen sollte, nur noch an einem Ende zu brennen – und was war bitte mein gutes, gesundes Maß? (Ich habe dir einen anderen Blogbeitrag zu diesem Thema verlinkt.)

Beginne sachte

Vielleicht beginnt dein Weg wie damals auch mein Weg begann: ganz sachte. Einen Schritt nach dem anderen gehen. Was konnte ich als erstes verändern, damit es mir besser ging? Mein innerer Ratgeber sagte: Du brauchst mehr Pausen! Ja, ich fühlte wie hungrig ich danach war, mich endlich mal wieder komplett ausgeschlafen zu fühlen, wenn ich morgens aufwachte. Ich biete dir hier einen link zu meinen Stressabbau-Übungen an und da ich weiß, wie schwer der Anfang ist, sind diese Übungen alle sehr kurz gehalten. Erlaube dir für den Start diese kurze Zeit für dich selbst. Es ist ein guter Anfang. Du findest in meinen Podcasts auch sehr viel längere Übungen und auch Selbsthypnosen. Schau dich gerne auf dieser Webpage um. 

Auch in den Anfangszeiten der Covid 19 Aufregungen im März tat es gut, einfach ruhiger und langsamer unterwegs zu sein und nicht angstvoll und hektisch 500 Rollen Toilettenpapier und 20 kg Mehl zu horten. Wer damals die Lage in Ruhe betrachten konnte, hatte gut für sich selbst gesorgt! Er oder sie hatte sich zusätzliche Aufregungen und unnötige Hektik erspart. Er hatte den Überblick für sich und sein Leben behalten. Sie hatte ihr Nervenkostüm nicht unnötig strapaziert und damit sehr viel für das eigene Immunsystem getan.

Wenn du so für dich gesorgt hast, beglückwünsche ich dich von Herzen. 💖

Jeder Impuls, den du in dir spürst, ist wichtig

Wenn es dir in den letzten Wochen nicht gelungen ist in den ganzen Aufgeregtheiten um dich herum, selbst ruhig und vertrauensvoll zu bleiben, dann lass uns hier gemeinsam beginnen.
In Zeiten des Innehaltens und der Ruhe kannst du kleine Impulse in dir wahrnehmen. Diese intuitiven Impulse sind kurz, liebevoll, klar. Es ist kein “Gerödel” aus deinem Kopf, es sind keine angstvollen Szenarien. Die kleinen Impulse strahlen Geborgenheit aus, sie sind dir oftmals sehr vertraut, sie regen dich nicht auf, sie tun dir gut. Nimm diese Impulse bewusst wahr. Das ist eine Übungssache. Je häufiger diese Impulse sich zeigen dürfen,weil du Ruhe und Innehalten übst, desto klarer kannst du sie erkennen und desto deutlicher zeigen sie sich.

Kein innere, ruhiger, klarer Impuls ist zu klein oder zu unwichtig.

Es geht meistens nicht um etwas Größeres, wie z.B. eine Mitgliedschaft in einem Fitnesscenter oder vier Wochen Yoga-Urlaub auf den Malediven. Meistens geht es um ganz kleine Dinge – ein Glas Wasser – frische Luft – für 2 Minuten einmal die Augen schließen − dich 5 Minuten hinlegen – vielleicht nimmst du auch wahr, dass du eine warme Mahlzeit brauchst – einen lieben Menschen, der dich in den Arm nimmt.

Beginne mit einer kleinen Übung jetzt. Du kannst sie immer und immer wieder wiederholen. Fühle in dich hinein und frage dich:

Was braucht mein Körper – JETZT?

Bitte schreibe dir auf, was du wahrgenommen hast.

Die Datenautobahn in unserem Gehirn

Wir wissen aus der neurologischen Forschung, dass wir „Datenautobahnen“ im Gehirn haben. Datenautobahnen entstehen, wenn wir Dinge sehr häufig tun. Alles, was wir wiederholen, wird selbstverständlich. So entstehen in uns bestimmte Vorlieben. Das geschieht sehr früh in unserem Leben und als Erwachsene können wir uns häufig gar nicht mehr vorstellen, Dinge anders zu tun, als wir es im Moment tun – anders zu essen – uns anders zu kleiden etc. Es sind so kleine Routinen, die uns festhalten. Ohne den Kaffee morgens geht gar nichts, das haben wir ja schon bei unseren Eltern erlebt. Und hier hat auch das “Klopapierhorten” seinen Platz. Es sind alte Routinen, alte Ängste, ganz alte Bilder von Krieg und Not, die wir selbst oftmals gar nicht erlebt haben, aber die wir unbewusst übernommen haben und die uns in einen “automatischen Aktivismus” schieben. Wir handeln von alten Bildern getrieben, ohne damit wirklich gut für uns selbst zu sorgen.

Es lohnt sich, deine eigenen „Selbstverständlichkeiten“ , die alten Geschichten einmal anzuschauen und sie dir bewusst zu machen.

Welche Normalitäten und Selbstverständlichkeiten, welche alten Familiengeschichten bestimmen dein Leben?

Deine eigene Wahrnehmung stärken

Wenn du die kleine Übung gemacht hast, dir Zeit zu nehmen und nachzuspüren, was dein Körper jetzt braucht (vorletzter Schmetterling: „Was braucht mein Körper – jetzt?“), dann hast du etwas in dir wahrgenommen.
In meiner Praxis war es sehr häufig so, dass meine Klienten “etwas” kurz wahrgenommen hatten, das so nicht in ihren Alltag, in ihre “Normalität” passte. Gleichzeitig mit dieser (oftmals sehr kurzen) Wahrnehmung waren viele gute Gründe aufgetaucht, warum das, was sie wahrgenommen hatten, „absolut unmöglich“ war, “es” JETZT zu tun.
Ich denke, wir alle kennen das Phänomen, dass wir einen kleinen, klaren Impuls verspüren und dann einfach darüber hinweg gehen, weil … wir etwas “Wichtigeres” zu tun haben … weil wir den Impuls nicht ernst nehmen … und so weiter.
Um gut für uns selbst zu sorgen brauchen wir Übung mit diesen kleinen Impulsen achtsam umzugehen. Zwei Schritte helfen dir:

Der erste Schritt: 
Nimm das, was du so kurz und flüchtig wahrgenommen hast, ernst!

Der zweite Schritt:
Achte darauf, ob du das, was du in dir wahrgenommen hast, irgendwie in deinen Alltag einbauen kannst.

Bitte, finde für beide Schritte dein Tempo, finde deinen Weg.

Du findest in meinen Bücher und Podcasts  viele unterschiedliche Anregungen, wie du mit dir selbst besser, fürsorglicher, heilender umgehen kannst.

Stärke DEINE Wahrnehmung  – Tag für Tag ein bißchen mehr.

Je häufiger wir bisher ungewohnte Verhaltensweisen üben, desto einfacher geht es.

Ein kleines Experiment für dich

Überprüfe an 3 Tagen jeweils direkt morgens, was du “heute” für dich selbst tun kannst.

Hypothese für das Experiment:

Wir sind zum einen häufig so nach außen orientiert, dass wir sehr gut wissen, was anderen Menschen gut tut und was wir für andere tun könnten, aber wir wissen nur selten, was wir für uns selbst tun können und auch tun sollten.
Wir sind zum anderen so oft nach außen orientiert, dass wir uns von “dem Stress der anderen” anstecken lassen – viral anstecken lassen und dann gibt’s kein Klopapier mehr in den Geschäften 😉 und bei uns Zuhause gibt es ein Lager für die nächsten 3 Jahre.

Frage:
Tut uns die ständige Sorge um andere gut und tut es uns gut uns viral von allen Aufgeregtheiten anstecken zu lassen?

Durchführung des Experiments:

Gib dir drei Tage – direkt morgens nach dem Aufstehen. Vielleicht nimmst du Samstag, Sonntag und Montagmorgen, so beginnst du das Experiment an einem Tag, an dem du vielleicht nicht zur Arbeit gehen musst. Frage dich:

Was ist das Liebevollste und Fürsorglichste, das ich heute FÜR MICH tun kann?

Und bitte, das muss wirklich nichts Großes sein – vielleicht ist es nur das, bewusst etwas länger im Bett zu bleiben – oder dir einen schönen Tee zu kochen – oder dich selbst zu einem schönen Stück Kuchen einzuladen. Spüre bitte in dich hinein, welcher Impuls sich zeigt. Tue das an drei Tagen hintereinander jeweils gleich morgens: Stelle dir diese Frage – nimm dir ein paar Minuten Zeit und lausche auf die Antwort in dir. Und nimm bitte bei diesem Lauschen auch deinen Bauch mit an Bord. Reizdarm – Reizmagen sind oftmals verkannte gute Berater, die dir den Weg zu einer besseren Selbstfürsorge zeigen möchten.

Fazit:

Welche Erfahrungen hast du gemacht?
Was hat dir dein Bauch gesagt?
Wie kannst du das, was du in dir und mit dir erlebt hast in deinen ganz normalen Alltag bringen?
Was wäre ein erster kleiner Schritt?

Selbstfürsorge führt zu Vertrauen.
Es entsteht FREIRAUM – DEIN FREIRAUM.

Heute habe ich gelernt, je besser ich für mich selbst sorge, desto mehr Vertrauen habe ich in mich und in mein Leben. Desto mehr Vertrauen habe ich, dass sich immer irgendein Weg findet und dass innere Ruhe eine große Kraft ist. 
In mir ist über die Jahre ein großer Freiraum entstanden, in dem die Dinge geschehen können, die für mich und in meinem Leben wichtig sind. Je mehr ich in und aus dieser Kraft lebe, die meine Selbstfürsorge mir Tag für Tag generiert, desto entspannter und kreativer bin ich, desto mehr kann ich meiner Umgebung an Fürsorge abgeben.
Das erste, was ich meiner Umgebung an Fürsorge gebe: ich verbreite keinen unnötigen Stress mehr, das entspannt alle! 

Nimm dir Zeit für dich selbst. Sorge gut für dich. Genau das ist deine Lebensaufgabe, alles andere zeigt sich auf dem Weg – deinem Weg. Ich wünsche dir eine gute Zeit mit dir.

Sorge gut für dich.

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