Reden wir über Ernährung

Du fragst dich vielleicht, warum du so wenig “konkret” zum Thema Ernährung hier in meinem Blog findest. Keine Tabellen, keine Empfehlungen, keine „do’s“ und „dont’s“  („tu dies – lass das!“ – “xyz zu essen hilft ganz sicher.” etc.)

Nun, zum einen glaube ich an diese Listen nicht; denn ich habe in 30 Jahren Ernährungsberatungs-Praxis und diversen Weiterbildungen so viele „do’s“ und dont’s“ „wissenschaftlich-bewiesen“ kennengelernt und für Prüfungen auswendig gelernt, dass ich das alles mittlerweile für „Glaskugelguckerei“ halte. Es gibt keine wissenschaftliche Forschung, keinen Ernährungsansatz, zu dem es nicht eine parallele Forschung gäbe, die genau das Gegenteil „beweist“.

Zum anderen habe ich an mir selbst erfahren (und bei vielen meiner Klienten Ähnliches gesehen), dass zu viele Ernährungs-“ratschläge“, einfach nur zu einem führen: Zwanghaftigkeit gegenüber und Angst vor dem Essen. Sowohl Zwanghaftigkeit und Angst gegenüber der Art und Weise wie wir Nahrung aufnehmen, als auch vor einzelnen Nahrungsmittel im Besonderen, bedeuten aber vor allem eines:
eine große psychische Belastung, die dem Bauch nicht gut tut!

Gerade bei Reizmagen und Reizdarm spielen Psyche und Bauchsymptomatik sehr eng zusammen. Reizmagen und Reizdarm brauchen vor allem eine entspannte, vertrauensvolle Lebenshaltung. Es tut dieser Art von Bauchsymptomatik gut, wenn wir uns eher darin üben, eine entspannte, vertrauensvolle Einstellung zu unserer Ernährung zu pflegen, als uns nach Ernährungstabellen zu richten.

Werde dir gewahr, wie und womit DU (!) dich wohlfühlst

Aus meiner Erfahrung und Wahrnehmung heraus ist es wichtig, dass du ein Gefühl für dich, für deinen Bauch, für deine eigenen Bedürfnisse  bekommst und lernst, besser auf DEIN Gefühl zu achten. Stelle dir vielleicht immer mal wieder einige dieser Fragen und fühle in dich hinein, was für Antworten in dir entstehen:

  • Womit fühlst du dich wohl?
  • Womit fühlt sich dein Bauch wohl?
  • Womit fühlst du dich in deinem Körper wohl?
  • Was entspannt dich?
  • Was magst du voller Genuss und Lust essen?

(In meinem Buch findest du sehr viel mehr dieser Fragen.)

Zu Beginn dieser Beobachtung deiner selbst ist es wichtig, „Wohlfühlen“ zum einen tief in dir selbst zu fühlen und dich von “Fremdeinflüssen” zu lösen: Bilder aus der Werbung, die du in dir verankert hast – das, was deine Freunde als “Wohlfühlen” empfinden – das, was “man” dir sagt, was mit “Wohlfühlen” verbunden sei … etc.. Es ist wichtig, dass du ganz bei dir selbst Zuhause bist und fühlst, womit es DIR gut geht!

Zum anderen ist es hilfreich, deine “Wohlfühl-Beobachtung” messbar und überschaubar zu halten. Und dazu kannst du deinen eigenen Körper zu Hilfe nehmen. Fühle und prüfe:

  • Hast du ein wohliges Gefühl vor allem NACH dem Essen? Auch noch eine Stunde nach dem Essen? Oder fühlst du dich unlustig, schwer, müde?
  • Hast du nach dem Essen warme Hände und warme Füße oder wirst du müde und schwer und hast kalte Füße und kalte Hände?
  • Fühlst du dich nach dem Essen gut genährt, satt und zufrieden? Oder hast du nach dem Essen „Yiep“ auf Süßes, Salziges, Scharfes, Eiskaltes, Heißes, Alkohol oder sonstiges? „Yiep auf xyz“ sagt immer: du hast dich nicht gut genährt. Egal, wie viel du gegessen hast, das, was dein Körper wirklich braucht an Nährstoffen, das hast du mit deiner Ernährung nicht zu dir genommen. Dein Körper signalisiert mit „Yiep“, dass ihm Nährstoffe fehlen (… und die findest du nicht in der Schokolade, auf die du „Yiep“ hast!). Wenn du schon lange mit dem Phänomen “Yiep” zu tun hast, kann es hilfreich sein, einen Bluttest auf den Nährstoffzustand deines Körpers (Mineralstoffe, Vitamine, Spurenelemente etc.) beim Arzt zu machen. Das kann jeder Hausarzt.
  • Hast du ein Bewusstsein darüber, ob du „rumnaschst“ und wenn du „rumnaschst“, ist dir bewusst, was du da so in dich hineinnaschst? (Quantität? / Qualität?)
  • Hast du feste Rituale, die mit Nahrungsmitteln oder Getränken verbunden sind: Kaffee, Schokolade, Scharfes, Salziges, Süßes, Eiskaltes, Alkohol, Zigaretten?  z.B. ohne deinen Morgenkaffee geht gar nichts − die Schokolade gehört abends zum Fernsehen dazu wie der Rotwein − der Schnaps gehört dazu, wenn du dich mit Freunden triffst? (Ja, tut mir leid, dass ich hier so eine Spaßbremse bin.) Es geht nicht darum, dass du dich selbst kritisierst oder verurteilst! Es geht darum, dass du dich liebevoll (!) beobachtest und dir bewusst wirst, was du tust.
  • Kannst du genussvoll essen?
  • Kaust du deine Nahrung ausreichend oder schlingst du alles runter?
  • Macht es dir Freude, in Ruhe zu schmecken und zu essen?
  • Erfährst du Geschmackserlebnisse in deinem Mund oder ist es dir egal – du isst, was du gerade bekommen kannst? 

Du siehst, um dich heilend und gut zu ernähren und damit zu NÄHREN ist es zuerst einmal nötig, dass du dich selbst besser kennenlernst. Dazu ist es sehr hilfreich, dich selbst und dein Eßverhalten zu beobachten! Bitte beurteile dich nicht! Beobachte dich liebevoll und schau, ob du etwas ändern möchtest. Im nächsten Schritt kannst du dann experimentieren, wie es für dich LEICHT geht, etwas zu ändern. Gehe in kleinen Schritten, und setze diese Schritte aufmerksam und achtsam.

Du findest hier auf dieser Webpage eine wachsende Zahl von kostenlosen Podcasts, die dir auf unterschiedliche Weise helfen, dich und deinen Bauch besser wahrzunehmen.

Ein paar Wegweiser zu einer ganzheitlich heilenden Ernährung

JEDE Heilung ist immer eine Selbstheilung deines Körpers. Dennoch gibt es so ein paar „hilfreiche Wegweisungen“. BITTE FÜHLE, welche dieser „Wegweiser“ DIR als sinnvoll und hilfreich erscheinen. Viele meiner Klienten konnte es in sich fühlend wahrnehmen, während sie sich selbst diese Liste langsam und laut vorlasen. Du bist der Experte / die Expertin für deinen Körper! Laut lesen hilft! Fühle in dich hinein.  Nicht alles ist für dich gut und heilend! Lies es dir ruhig mehrmals vor und lies es dir laut vor:

Mir geht es, glaube ich, besser, wenn ich eher warme Mahlzeiten esse als Brot und Aufschnitt und Käse und Kaltes.

Mir geht es, glaube ich, besser, wenn ich eher gekochtes Gemüse esse als Salat.
(Meine Empfehlung: „Wok“ – kurz und schnell gegart.)

Mir geht es, glaube ich, besser, wenn ich eher langsam gegartes Fleisch esse als scharf angebratenes Fleisch. (Meine Empfehlung: „slow cooking“ – „crock pots“ oder „slowcooker“ findest du im Internet.)

Mir geht es, glaube ich, besser, wenn ich eher Kraftbrühen trinke als Säfte oder Softdrinks.  (Meine Empfehlung: einmal pro Woche einen großen Topf Brühe kochen und die Brühe dann portionsweise einfrieren und immer so auftauen, wie du das brauchst. Huhn, Rind oder auch reine Gemüsebrühen eigenen sich sehr gut.)

Mir geht es, glaube ich, besser, wenn ich eher Quellwasser ohne Kohlensäure als Sprudelwasser oder aufgesprudeltes Wasser trinke.

Mir geht es, glaube ich besser, wenn ich meinen  Zuckerkonsum einmal genauer beobachte. (Meine Empfehlung: Wenn du einen großen “Yiep” auf “süß” hast, dann fehlen dir wahrscheinlich Nährstoffe. Experimentiere sachte mit Gemüse, Käse, Fleisch und schau, was dich wirklich zufrieden stellt – wo dich gut gesättigt und genährt fühlst.)

Mir geht es, glaube ich, besser, wenn ich 5 kleine Mahlzeiten am Tag habe. Im Moment habe ich nur Zeit für  1 – 2 große Mahlzeiten. (Meine Empfehlung: Eine kleine Mahlzeit kann eine Handvoll Datteln sein oder eine Tasse Brühe. In jedem Fall ist der Magen sanft mit Verdauen von kleinen Mahlzeiten beschäftigt und schwankt nicht zwischen „überfüllt“ und „grummelig leer“.)

Mir geht es, glaube ich, besser, wenn ich mit Kaffee, schwarzem Tee oder auch zu wild gemischten Kräutertees achtsamer bin. 

DEINE Ernährung

Es gibt nur eine “richtige” Ernährung und das ist die FÜR DICH RICHTIGE ERNÄHRUNG. Und der einzige Mensch, der diese für dich richtige Ernährung erkennen, benennen und praktizieren kann, bist DU. 😉

Gib dir Zeit, die für dich wohltuende und richtig Ernährung zu finden. Je klarer du spürst „Das tut mir richtig gut“, desto besser; denn damit hast du ein „Heilmittel“ für dich selbst gefunden, auf das du immer wieder zurückgreifen kannst und das beruhigt dann auch deine Psyche.

Welchen Einfluss deine Psyche auf deine Ernährung hat wird das Thema meines nächsten Blogbeitrags im August sein. Ich lade dich auch herzlich ein, meinen “Bauchfreunde-Brief” kostenlos zu abonnieren. Wir gehen achtsam mit deinen Daten um und senden dir ganz sicher keine Werbung. 😉 

Sorge gut für dich.

Du bist die Expertin, der Experte für dich, für deinen Bauch, für dein Leben.  

Weitere Beiträge

Alarmsignale aus dem Bauch

Wenn du mit Reizdarm oder Reizmagen zu tun hast, dann kann es gut sein, dass du ein empathischer, hilfsbereiter Mensch bist. Ein Mensch, der gerne Harmonie und Frieden um sich herum hat und den tiefen Wunsch, dass es doch allen Menschen gut gehen möge; denn dann könnte es dir selbst auch gut gehen. Dein Bauch ahnt eher als du, wenn du es mit Ansprüchen anderer zu tun bekommst, denen du nicht gerecht werden kannst und er schickt dir Signale, besser auf dich selbst zu achten.

Jetzt lesen »

Wertschätzung und Anerkennung für dich und deinen Bauch

Wertschätzung und Anerkennung sind große heilende Kräfte. Sie öffnen Türen. Sie bestärken Menschen in ihren einmaligen Begabungen und Fähigkeiten. Sicher kennst auch du Beispiele aus deinem Leben, wo die Wertschätzung eines anderen Menschen, dir ungeahnte Kräfte und neue Perspektiven verliehen hat.

Jetzt lesen »

Reizmagen? Reizdarm? – Ein kleiner Test für dich

Symptomatiken sind nie „nur körperlich“. Sie sind immer eingebettet in ein ganzheitliches Geschehen. Wusstest du, dass du ein Ökosystem bist, in dem Gemeinschaften von Organismen unterschiedlicher Art zusammenleben?
Stimmt deine Umgebung?
Stimmt dein Standort?
Stimmt die Gemeinschaft in dir?
Hier ist ein kleiner Test für dich.

Jetzt lesen »

Selbstfürsorge

Selbstfürsorge hilft dir und deinem Bauch zu einem ruhigeren, entspannteren, vertrauensvolleren Lebensalltag. Je besser du für dich selbst sorgst, desto mehr innerer Freiraum entsteht. Hier gibt es ein kleines Experiment für dich.

Jetzt lesen »

Dein gesundes Maß

Dein Bauch ist ein aufmerksamer Beobachter für dein gesundes Maß. Dein “Bauch”-Gefühl für dein eigenes, gesundes Maß ist immer bei dir. Oftmals haben wir in unseren Alltag den Kontakt zu diesem guten, heilenden Gefühl verloren. Hier findest du auch ein kleines Experiment für dich zum Thema “gesundes Maß und Wohlfühlen”.

Jetzt lesen »

Bauchfreunde-Brief  

Mein Bauchfreundebrief möchte euch immer wieder neue Impulse geben. Ich lade euch zur Betrachtung unterschiedlicher Themen und zu Experimenten in eurem Alltag ein. Es wird bunt und inhaltsreich. Hier kannst du dir ein Beispiel anschauen.

Über mich

Hallo, mein Name ist Susann Sontag! Ich bin Heilpraktikerin für Psychotherapie und Diplom Ernährungsberaterin.
Ich habe viele Jahre eine eigene therapeutische Praxis für Psychotherapie und Ernährungstherapie geführt und viele Klienten begleitet. Auf meinem eigenen Weg und in der Begleitung meiner vielen Klienten erlebte ich, was heute auf dem soliden Fundament einer breiten Forschung steht: Heilung ist immer Selbstheilung. Ich biete dir auf meiner Webpage eine große Bandbreite an kostenlosen Informationen, Entspannungsübungen und Videos als Hilfe auf deinem Weg zur Selbstheilung an. Das Nachspüren, Nachdenken und das letztendliche TUN liegt in deiner Hand.

Meine neuen Bücher

Schön, dass du dich für meinen Bauchfreunde-Brief entschieden hast!

Bitte schau in dein E-Mail-Postfach
und bestätige deine Anmeldung.

Diese Website verwendet Cookies, um dein Nutzungserlebnis zu verbessern. Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklärst du dich damit einverstanden. Wenn du mehr erfahren möchtest, schaue in meine Datenschutzbestimmungen.