Psyche und Bauch

Ich hatte euch diesen Beitrag über „Bauch und Psyche“ in dem Blog-Beitrag „Reden wir über Ernährung“ versprochen. 😉

Auch Gedanken und Gefühle sind “Nahrung”. In diesem Beitrag gebe ich dir einen kurzen Überblick darüber, wie dein Bauch deine Psyche beeinflusst oder auch umgekehrt, wie deine Psyche deinen Bauch beeinflusst.

Die alten Volksweisheiten

Schauen wir zuerst einmal auf die alten Redensarten; denn unsere Vorfahren beobachteten sehr genau die Natur und den Menschen und den Zusammenklang von beiden: Mensch und Natur. Und das ist, was sie erkannten:

Schiß haben

Eine Laus ist über die Leber gelaufen

Da kommt die Galle hoch

Jemanden etwas vergällen

Die Hose gestrichen voll haben

Etwas schlägt einem auf den Magen

Etwas dreht einem den Magen um

Sich die Seele aus dem Leib kotzen

Frei von der Leber weg reden

Was fällt dir dazu noch ein? Welche alten Volksweisheiten kennst du? Und welche alten Volksweisheiten begleiten dich vielleicht gedanklich Tag für Tag, wenn es sich um deinen Bauch dreht. Schreib mir doch auch gerne eine E-mail susann@bauchfreiraum.de. Ich bin immer interessiert, Neues zu lernen.

Für mich ist es sehr klar, dass es zum einen seit Jahrhunderten bekannt ist, dass Bauch und Psyche zusammenhängen – das ist kein Ergebnis der neuesten Forschung! Zum anderen zeigen mir diese alten Volksweisheiten auch, dass wir eigentlich alles Wissen über uns selbst in uns tragen. Alles was wir brauchen ist Zeit. Wir dürfen und sollten uns Zeit nehmen für uns selbst, um beobachtend auf uns selbst zu schauen. Menschen, die früher beobachtend auf sich selbst geschaut haben, stellten z.B. enge Zusammenhänge zwischen Angst und Magen und Darm fest. Sie stellten fest, dass Gefühle und Wahrnehmungen sich auch in ihrem Verdauungstrakt äußerten oder dass Unbefindlichkeiten im Verdauungstrakt sich auch in ihrem Gefühl,  in ihrer Wahrnehmung und in ihrer Lebenskraft äußerten.

Einer meiner Klienten erzählte mir, dass er nach seiner Beförderung innerhalb der Firmenhierarchie bemerkte, dass sich täglich in seinem Bauch ein Knoten bildete. Er begann daraufhin, sich selbst zu beobachten. Bald stellte er fest, dass der Knoten dann spürbar war, wenn er Termindruck auf andere ausübte oder selbst Termindruck verspürte. Nachdem er das klar erkannt hatte, stellte er die gesamte Struktur seiner Abteilung um. Er sorgte dafür, dass sowohl er als auch seine Abteilung nur noch im Notfall unter Termindruck arbeiteten. Ihm war eindeutig klar geworden, wie sein Bauch und seine Psyche zusammenhingen, ohne dass er sich in große medizinische oder psychologische Forschung eingelesen hatte.

Das kannst du für dich tun

So ist sicher der wichtigste Schritt, den du für dich selbst gehen kannst:

beobachte dich!
Beurteile dich nicht.
Kritisiere dich nicht.
Habe keine Ansprüche an dich oder deinen Bauch.
Beobachte dich einfach nur.
Du wirst bald erkennen können, was dein Bauch dir sagen möchte.

Die neuere Forschung

Zur neueren Forschung muss man sagen, dass sie sehr, sehr jung ist. Sicher haben viele Ärzte und Biologen schon lange über das Phänomen „Darm“ geforscht, aber die Ausrichtung der Forschung war fast ausschließlich auf krankmachende Keime fokussiert. Die Pathologie wurde über Jahrzehnte, ja eigentlich Jahrhunderte erforscht. So wurden krankmachende Bakterien entdeckt und es wurde an Mitteln geforscht, diese krankmachenden Bakterien zu bekämpfen (z.B. „Antibiotika“). Aus meiner Wahrnehmung war es eine „Kriegsforschung“: “wie können wir bekämpfen, was uns krankmacht?!”

Erst seit 15 Jahren – also erst im 21. Jahrhundert – begannen Mikrobiologen zu erforschen: was hält uns eigentlich gesund? Möglich wurde diese Forschung erst durch die Genomforschung, denn mit dieser hochfinanzierten Forschung entstanden Laborgeräte, die es erst möglich machten, das Mikrobiom des Darmes und der Haut genauer anzuschauen. Diese sehr junge Forschung ist komplex und schlecht finanziert. Was sie bisher allerdings herausfand ist kurz skizziert z.B. das:

  • Unser Darmmikrobiom wird uns bei der Geburt von unserer Mutter mitgegeben durch den Weg, den wir durch den vaginalen Geburtskanal nehmen müssen. D.h. Kaiserschnittkinder haben aus Sicht des Mikrobioms eine schlechtere Startchance.
  • Unser Mikrobiom ist in den ersten Lebensjahren sehr fragil und labil. Es wäre gut, in dieser Baby-Zeit möglichst keine Antibiotika verabreicht zu bekommen. Kinder die lange gestillt wurden, in einer möglichst naturnahen Umgebung aufwachsen und keine Fertig-Nahrungsprodukte bekommen, sondern z.B. frisch gekochtes Gemüse, Getreide oder auch Obst entwickeln ein stabileres Mikrobiom.
  • Die Psyche beeinflusst das Darmmikrobiom und das Darmmikrobiom beeinflusst die Psyche. … und zwar erheblich stärker als angenommen. Genauere Forschung betreibt man an “sterilen Ratten”. Wer dazu mehr lesen möchte, dem empfehle ich die Bücher von Erica und Justin Sonnenburg.
  • So glaubt man nachweisen zu können, dass z.B. „Frustfressen“ keine rein psychische Angelegenheit ist, sondern auch von der Gesundheit oder eben Krankheit des Darmmikrobioms mitgesteuert wird. Auch eklatante Gewichtszunahmen haben anscheinend viel mit der Zusammensetzung des Mikrobioms zu tun.
  • Es gibt Forschungsansätze, die einen Zusammenhang zwischen Mikrobiom und Depression sehen.
  • Und es gibt andere Forschungsansätze, die Zusammenhänge zwischen Mikrobiom und Autismus sehen.

Ich halte das hier absichtlich sehr grob; denn diese ganze Forschung steckt noch sehr in den Kinderschuhen. 15 Jahre Forschung sind im Hinblick auf das Phänomen „Mensch und sein Mikrobiom“ eigentlich nichts. Es sind erste Gedanken und Ideen. Und die Menschen, die an dieser Forschung vor Ort sitzen sagen auch selbst, dass man auf der Basis der derzeitigen Forschung noch keine Empfehlungen abgeben kann. Also lasst euch bitte nicht von Zeitschriften verrückt machen, die “Tatsachen” verkünden. Dem ist nicht so! Wir wissen kaum etwas. Wir stehen ganz am Anfang dieser Forschung.

Auch hier gilt wieder: Ihr seid bei euch selbst in euch selbst “vor Ort”! Nehmt euch selbst wahr! Redet mit eurem Bauch. Redet mit eurer Psyche. Hört gut zu und dann HANDELT ENTSPRECHEND EURER EIGENEN WAHRNEHMUNG.

Die lange Entwicklungsgeschichte der Menschheit

Die Entwicklungsgeschichte der Menschheit umfasst 15 Millionen Jahre bis “endlich” vor 2 Millionen Jahren die Entwicklung soweit vorangeschritten war, dass der erste Hominide die Welt betrat. Bis vor 10.000 Jahren lebten mehrere unterschiedliche Menschenrassen auf unserem blauen Planeten.  Die Menschen, die heute leben stimmen zu 99,9% in ihren DNA-Sequenzen überein. Wenn man sich diese langfristigen Dimensionen der Menschheitsgeschichte anschaut, in der die menschliche Verdauung vom rohen Mammut bis zur Tiefkühlpizza so ziemlich alles verdaut hat (ohne das sich das Mikrobiom als solches entscheidend verändert hätte!), dann sind 15 Jahre Mikrobiom-Forschung ein Wimpernschlag.

Es sind die „guten“ Mikroorganismen im Darm, die der Menschheit halfen und bis heute helfen erfolgreich zu überleben. Und genau ihnen widmen wir unsere Aufmerksamkeit erst seit 15 Jahren! Jahrzehntelang galt unsere Aufmerksamkeit der Kriegführung gegen die krankmachenden Mikroorganismen. D.h. anstatt die „guten, lebensfreundlichen Mikroorganismen“ zu stärken, schwächten wir oftmals das gesamte System und haben (dennoch) überlebt. Unser Körper ist ein großes Wunderwerk.

Viele Forscher unter anderem auch Albert Einstein wurden über ihre langen Jahre als Wissenschaftler immer demütiger in der Erkenntnis, was sie alles nicht erkennen. Seien wir also vorsichtig mit dem, was die Presse uns glauben macht, dass “man” es angeblich “sicher weiß”.

Psyche und Darm mein Fazit

Widme deinem Körper, deinem Gefühl, deiner Psyche mehr Aufmerksamkeit. Warte nicht darauf, dass dir die Forschung Antworten gibt.

Wir wissen nicht nur aus der jungen Mikrobiom-Forschung, sondern auch aus alten Volksweisheiten, dass der Mensch ein Gesamtkunstwerk ist. Weder Magen noch Darm noch Leber noch Nieren noch Herz, Lungen und andere Organe (auch die Haut ist ein Organ) können und dürfen isoliert betrachtet werden. Deshalb:

NIMM DIR ZEIT, DICH SELBST ZU BEOBACHTEN
UND ZUSAMMENHÄNGE IN DIR ZU ERKENNEN.

DU TRÄGST EIN TIEFES INNERES WISSEN IN DIR SELBST.
Lerne und übe, es zu nutzen.

Jede Heilung bedarf vielleicht/manchmal eines Heilungsimpulses von außen (Arzt, Therapeut, heilende Medizin). Letztendlich ist jedoch jede Heilung immer Selbstheilung. Selbstheilung geschieht in dem Moment, wo es dir gelungen ist, in dir selbst wieder in eine gute Balance zu finden und damit in Frieden mit dir selbst und mit deinem wundervollen Körper zu leben.

Sorge gut für dich

Du bist die Expertin, der Experte für dich, für deinen Bauch, für dein Leben.

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Über mich

Hallo, mein Name ist Susann Sontag! Ich bin Heilpraktikerin für Psychotherapie und Diplom Ernährungsberaterin.
Ich habe viele Jahre eine eigene therapeutische Praxis für Psychotherapie und Ernährungstherapie geführt und viele Klienten begleitet. Auf meinem eigenen Weg und in der Begleitung meiner vielen Klienten erlebte ich, was heute auf dem soliden Fundament einer breiten Forschung steht: Heilung ist immer Selbstheilung. Ich biete dir auf meiner Webpage eine große Bandbreite an kostenlosen Informationen, Entspannungsübungen und Videos als Hilfe auf deinem Weg zur Selbstheilung an. Das Nachspüren, Nachdenken und das letztendliche TUN liegt in deiner Hand.

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