Gluten und Reizdarm

“Gluten” – ein Thema, das in den letzten 20 Jahren immer mehr “in Mode” gekommen ist und dem sich seit einiger Zeit sogar eine eigene Zeitschrift widmet.

Ich finde den gedankliche Ansatz schwierig, der sagt: “Gluten ist schuld an …”
… und hier könnte ihr jetzt ziemlich beliebig einfügen, was wir so an Befindlichkeitsstörungen, Zivilisationskrankheiten etc. kennen. Und in diesem Kontext stellt sich konkret die Frage: Ist Gluten schuld an … meinem Reizdarm / Reizmagen? Ist Gluten wirklich der Auslöser für meine Beschwerden und würde es mir ohne Gluten besser gehen?

Ich denke zum einen: das Thema ist sehr viel komplexer als einfach nur “Gluten” aus der Ernährung herauszulassen. Ich denke zum anderen, dass wir es mal wieder (von den Medien und der Presse angetrieben) “übertreiben”, und warum ich das denke, dazu möchte hier ein bisschen weiter ausholen und lade euch ein wie üblich: sowohl zum Nachlesen als auch dazu, für euch selbst und auch in euch selbst nachzuforschen. Und vielleicht helfen dir bei deiner Nachforschung auch meine kostenlosen Tests, um zu testen, wo du mit dir selbst stehst.

Was ist Gluten?

Gluten ist das Klebereiweiß, ein Speicherprotein in bestimmten Getreidesorten. Ich zitiere hier einmal die sehr gute und informative Webpage von Dr. Schär, die sich seit sehr langer Zeit auf glutenfreie Produkte spezialisiert haben (und nein, ich bekomme kein Geld dafür!)
Gluten ist das wichtigste Speicherprotein von vielen Getreidearten. Es wird auch als Klebereiweiß bezeichnet und hat verschiedene lebensmitteltechnologische Eigenschaften. Gluten selbst hat einen geringen Nährwert, ist aber ein guter Emulgator und Träger für Aromastoffe, es geliert, bindet Wasser und stabilisiert. Daher wird Gluten vielseitig bei Fertiggerichten und Saucen sowie in der Lebensmitteltechnologie als Hilfsstoff eingesetzt. Außerdem dient es als Kleber, der Weizenmehl zusammenhält und so zum Beispiel das Brotbacken erleichtert.

Das bedeutet erst einmal eigentlich nur: Gluten kommt ganz natürlich in dem Getreide vor, das der Mensch seit Jahrtausenden zum Brotbacken nimmt. Ohne Gluten (z.B. Reis, Hirse, Quinoa enthält kein Gluten) war (und ist) es sehr schwer, Brot zu backen. Man kann glutenfreies Getreide kochen, aber um ein Brot zu backen oder Pasta herzustellen brauchte man (früher) das Klebereiweiß. In glutenfreien Produkten ist das fehlende Klebereiweiß durch “Chemie” ersetzt.

Ich habe selbst 15 Jahre lang glutenfrei gelebt, weil ich eine Dünndarmerkrankung hatte (tropische Sprue), die ich mir in Indien aufgesammelt hatte durch Parasiten. Ich habe mich oft gefragt, ob es der richtige Weg für mich ist, Brot durch glutenfreie Varianten von “Brot” zu ersetzen oder ob es ehrlicher und gesünder wäre, mich zu dem zu bekennen, was ich esse: Hirse, Reis, Quinoa etc.. So bin ich bald von “glutenfreiem Brot” auf Grützen oder Breie umgestiegen und fühlte mich damit wesentlich wohler. 

Der konsequente Verzicht auf Gluten bedeutet im Klartext: ALLES, was wir so mögen, nicht mehr zu essen: Pasta, Croissants, Kuchen, Kekse … usw … aber es bedeutet auch, ALLES, was so selbstverständlich in unseren Alltag gehört zu hinterfragen: z.B. Gummibärchen, Soyasauce (ausgenommen Bio-Tamari), Kopfschmerztabletten, Früchtetee und vieles, vieles mehr enthält Gluten, wenn auch oftmals nur in geringen Mengen. Bei Tabletten z.B. ist Gluten oftmals der Trägerstoff für den eigentlichen Wirkstoff. Bei Gummibärchen und Früchtetee ist Gluten das Trennmittel, damit nicht alles zu Klumpen zusammenklebt. Und so gibt es in einem “normalen” Haushalt eigentlich keine “Glutenfreiheit”. Schau dir Packungsbeschreibungen, Inhaltsstoffe und Zutatenlisten mal genau an!

Wenn du wissen willst, wie ein wirklich glutenfreies Leben aussehen kann (und wie enorm aufwendig es ist!), dann empfehle ich dir, schau dich auf der Webpage der Deutschen Zöliakie Gesellschaft um. (Du findest mehr hilfreiche Adressen hier.)

Zöliakie und Sprue

Es gibt eine schwere autoimmune Erkrankung, die es notwendig macht ein Leben lang auf Gluten zu verzichten. Diese Krankheit heißt Zöliakie und ist eine autoimmune Reaktion auf das Klebereiweiß Gluten. Zöliakie tritt nur bei einer entsprechenden genetischen Veranlagung auf und dementsprechend auch fast immer schon im frühen Kindesalter.

Ich erkrankte an einer “tropischen Sprue”, die eine ähnliche Symptomatik hat, wie eine Zöliakie, d.h. Reaktionen auf Gluten, allerdings ist diese Krankheit durch Parasiten hervorgerufen und in den meisten Fällen ausheilbar.

In beiden Fällen ist es nötig, absolut jede kleinste Menge von Gluten zu vermeiden. Gluten führt im Dünndarm zu Entzündungen, die wiederum zum Abbau der Dünndarmzotten führen, was wiederum dazu führt, dass Nahrung nicht richtig verdaut und aufgenommen werden kann. Es sind autoimmune Rektionen, die durch Gluten hervorgerufen werden.
Wenn ihr euch tiefer einlesen wollt, dann benutzt zur Suche im Internet nicht nur “Zöliakie, Sprue” sondern auch den Begriff “Zottenatrophy”. Wie so eine angegriffene Dünndarmschleimhaut aussieht, könnte ihr in dem Bild über diesem Abschnitt sehen.

Sowohl Zöliakie als auch Sprue sind schwere autoimmune Erkrankungen und erlauben nicht die Wahl “jetzt mal Gluten weg zu lassen”. Sobald Gluten in der Ernährung auftaucht, kommt es zu schweren Symptomatiken. Geringste Mengen reichen. Diese Krankheitsverläufe brauchen eine gute ärztliche Begleitung durch Endokrinologen und/oder Gastroenterologen, da reicht auch der Hausarzt oftmals nicht mehr.

Reizdarm und Gluten

Ich würde bei einem Reizdarm immer dazu raten: Wisse, was du auf deinem Teller hast (oder wie hier im Bild: im Schälchen hast) – dazu später mehr.
Wenn du das Gefühl hast, dass z.B. Brot oder Pasta deine Reizdarmbeschwerden verschlimmern, dann empfehle ich dir zwei Dinge zu tun:

  1. Sprich mit einem Gastroenterologen, ob er dich testen kann, ob du Gluten / Gliadin verträgst oder eben nicht verträgst. Damit würdest du erstmal “objektive Fakten” in die Hand bekommen. Und bitte lass dich testen BEVOR du Gluten aus deiner Ernährung streichst!

    Sollte dieser Test negativ sein, dann probiere:

  2. eine “Auslassungsdiät”. d.h. lasse für einen Zeitraum von 14 Tagen konsequent Brot, Brötchen, Kuchen, Kekse, Pasta weg. Du brauchst nicht so weit zu gehen auch Sojasauce, Gummibärchen und Kopfschmerztabletten (etc.) wegzulassen; denn dein Gastroenterologe hat ja festgestellt, dass du keine Sprue hast! Aber lasse alles weg, was wirklich mit “einer großen Ladung” an Gluten kommt – sprich: was auf Getreide basiert.

Es können jetzt zwei Dinge passieren:

  1. Deine Symptome bessern sich unter der glutenreduzierten Diät.
  2. Sie bessern sich nicht. (Das bedeutet in jedem Fall: zurück zum Gastroenterologen!)

Wenn sich deine Symptome bessern, dann kann auch das wieder unterschiedliche Gründe haben.

  1. Es kann (!) am Gluten liegen (muss aber und tut es in den meisten Fällen auch nicht!)
  2. Es kann am Getreide liegen. Nicht Bio-Getreide ist oftmals enorm hochgezüchtet und enthält durch diese Züchtung und/oder den Anbau des Getreides (Einsatz von Chemie) Inhaltsstoffe, auf die dein Darm reagiert.
  3. Es kann aber auch an der Art der Herstellung der Backwaren liegen. (Und in meiner Praxis war genau das fast immer der Grund! Die Beschwerden hatten also nichts mit Gluten zu tun!)
  4. Und es kann an sehr, sehr vielem anderen liegen. Lies dazu vielleicht auch meinen Blog Post “Finde, was dir gut tut”.

Es empfiehlt sich in JEDEM Fall, wenn du empfindlich auf Backwaren reagierst auf Bio zu wechseln. Das Getreide sollte aus Bio-Anbau stammen.

Brot und Brot

Brot ist nicht gleich Brot. Ein großer Teil unseres Brotbedarfs (Brötchen, Kuchen etc.) wird heutzutage industriell hergestellt. Genießt das Bier noch eine Ethik von “Reinheit”, so ist das bei Brot schon lange nicht mehr der Fall. Es gibt nur wenige Bäcker, die noch handwerklich arbeiten, die dem Brotteig lange Teigruhe gönnen und in deren Broten (Brötchen etc.) wirklich nur Mehl, Wasser, Gewürze und Sauerteig/Hefe enthalten sind.

In industriell vorgefertigten Teigen (die auch von handwerklich arbeitenden Bäckern genutzt werden!) haben wir aber eigentlich genau das, worauf ein strapazierte Darm äußerst gereizt reagiert: ZUSATZSTOFFE, die meistens noch nicht einmal genannt werden müssen:
Verschiedenste Enzyme, Xanthan, Ascorbinsäure (in größeren Mengen), Sorbinsäure, verschiedenste Emulgatoren (Sojalecithin, …) usw usw usw.  Von “Reinheit” kann keine Rede sein.

Das bedeutet im Klartext:

  • deine “Glutenunverträglichkeit” könnte in Wahrheit eine “Zusatzstoff-Unverträglichkeit” sein!
  • Du müsstest dich nicht mühsam um eine glutenfrei Ernährung bemühen, sondern müsstest “nur” darauf achten, dass du “reine/saubere/chemie-befreite” Nahrungsmittel zu dir nimmst.

Hier schließt sich nun der Kreis zu den “glutenfreien Nahrungsmitteln”. Es gibt kein glutenfreies Brot ohne “Chemie”, ohne dass reichlichst mit Zusatzstoffen gearbeitet wurde; denn Getreide ohne Gluten lässt sich vielleicht zu Reiscrackern verarbeiten, aber nie zu Brot, Kuchen, Croissants, Pasta und anderem, was der glutenfreie Brot-Kuchen-Pastamarkt so anbietet an Leckereien.

Und das bedeutet: du nimmst mit der glutenfreien Brot-Kuchen-Pasta-Ernährung mehr von den Stoffen auf, die “Reizstoffe” für deinen Darm sind!

Was tun?

Was bei einem gereizten Darm im Prinzip wichtig ist, ist ÜBERBLICK.

Verschaffe dir Überblick

Lebe wach, bewusst und achtsam. Wisse genau, was du isst und was du fühlst.

Eine “Gemengelage”, wie jedes Nahrungsprodukt sie enthält tut eigentlich niemandem gut, aber ein gereizter Darm reagiert wesentlich schneller und feinfühliger auf “Emulgatoren, Enzyme, Lecithine” und andere Zusatzstoffe.

Bemühe dich um Klarheit

Dein Darm braucht und liebt Klarheit. Ein Apfel ist ein Apfel. Ein Apfelkuchen ist eine “unklare Gemengelage”.
Schau bei den Nahrungsmitteln, die du kaufst, darauf, was du da wirklich kaufst. Sprich mit deinem Bäcker: was ist in seinen Broten enthalten? Produziert er sie aus fertigen Backmischungen? Es gibt überall, selbst hier im Wendland Bäckermeister, die wirklich in alter Handwerkskunst Brot backen nur mit Mehl, Wasser, Gewürz und Sauerteig. Die ihren Broten Teigruhe gönnen. So ein gereiftes, “sauberes” Brot ist wesentlich besser verträglich und verdaubar, als alle “Supermarkt-Teilchen” und vor allem auch als alle glutenfreien Brote, die sehr viele Zusatzstoffe enthalten.

selbst ist der Mann und die Frau

warum beschäftigst du nicht mit der Kunst des Backens? Und der Nudelherstellung? Nichts ist leckerer als ein selbst gemachter Pizzateig, selbst gemachte Brötchen oder knusprige warme Brote, die direkt aus deinem eigenen Ofen kommen und an denen nur Mehl (Bio-Qualität), Wasser, Gewürze und Sauerteig ist. Wenn man sich ein bisschen auskennt ist das alles keine Hexerei. 

Sicher – JA –  du hast wenig Zeit und es ist ein neues Gebiet, in dem du dich nicht auskennst … usw. … aber was wäre, wenn es gar nicht so schwer ist, wie du denkst? Wenn dir diese Tätigkeit Entspannung und Genuss bereiten würde? Wenn du es nur einmal im Monat tun “müsstest”, weil du nämlich deinen eigenen Backwaren sehr gut einfrieren kannst. Wenn du durch diese neue Fertigkeit wieder alles essen könntest, was du so magst und das in einer reinen, exzellenten Qualität … und außerdem könntest du unglaublich viel Geld sparen!

Backen ist kein Hexenwerk, sagt hier jemand, der ein echtes Problem damit hat, Rezepte zu lesen und sie auch sauber nachzubacken. d.h. ich backe meistens eher “nach Gefühl” und das klappt (erstaunlicher Weise) 😊

Sorge gut für dich.

Du bist die Expertin, der Experte für dich,
für deinen Bauch,
für dein Leben.

 

Susann

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Über mich

Hallo, mein Name ist Susann Sontag! Ich bin Heilpraktikerin für Psychotherapie und Diplom Ernährungsberaterin.
Ich habe viele Jahre eine eigene therapeutische Praxis für Psychotherapie und Ernährungstherapie geführt und viele Klienten begleitet. Auf meinem eigenen Weg und in der Begleitung meiner vielen Klienten erlebte ich, was heute auf dem soliden Fundament einer breiten Forschung steht: Heilung ist immer Selbstheilung. Ich biete dir auf meiner Webpage eine große Bandbreite an kostenlosen Informationen, Entspannungsübungen und Videos als Hilfe auf deinem Weg zur Selbstheilung an. Das Nachspüren, Nachdenken und das letztendliche TUN liegt in deiner Hand.

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